by Hauke Behn

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Rumpfbau

Krabbenkutter NORDSTERN               

Hauke Behn

Nachdem ich 1983 den Bau meines Bergungsschleppers „ SMIT ROTTERDAM „ im Maßstab 1:50 abgeschlossen hatte, legte ich eine Baupause von vielen Jahren ein. Nicht, dass ich keine Lust mehr auf Modellbau hatte, sondern es fehlte einfach das richtige Schiff und die Zeit, weil ich so nebenbei auch noch andere Hobbys habe, die arg vernachlässigt wurden. nord1.jpg (21221 Byte)

Dann wurde mein Sohn flügge und irgendwann wollte auch er ein Modell haben. Kurz entschlossen kaufte ich ihm den Bausatz der TÖN 12, des bekannten schnuckeligen Krabbenkutters. Mit meiner Hilfe wurde das Schiff dann gebaut. Das war eine schöne Zeit, obwohl mein Sohnemann feststellte, dass Schiffe bauen nicht so sein Ding war.

Nun gut, dafür kann er andere Dinge. Aber einen Effekt hatte das Bauen, denn ich bekam plötzlich wieder Lust auf ein neues Schiff. Und es sollte ein Krabbenkutter werden. Nicht ungewöhnlich, aber ich wollte ein Großmodell haben, mit allen Schickimicki. Das Aussehen der TÖN 12 hätte mir schon sehr gefallen, aber woher einen geeigneten Bauplan herzaubern?

Da kam mir mein Freund Ralph Reinhold zu Hilfe, denn der rief mich eines Tages an, hörte sich mein Problem an und teilte mir mit, dass er noch einen alten Plan von dem Krabbenkutter FALKE hätte. Er fragte, ob ich interessiert wäre....und ob ich interessiert war !

Kurz darauf hatte ich den Plan zu Hause und staunte nicht schlecht über die Qualität und die Detaillierung. Das Modell war nur zu klein denn ich wurde ja vom Größenwahn getrieben. Kurzum ließ ich den Plan in einer in einer Spezial Vergrößerungsfirma so vergrößern, dass das Modell nachher im Maßstab 1:10 eine Größe von 139cm x 41 cm hatte. Hoch würde der Kutter dann 115 cm sein.

Das war es, den wollte ich mit ein paar Änderungen bauen. Vor allem das Heck gefiel mir gar nicht. Der FALKE hatte ein Spiegelheck und mir gefällt eben ein Kanuheck, im Volksmund auch „Entenarsch" genannt, viel besser. Man merkt es schon, ich wollte keinen Originalnachbau, sondern ein vorbildähnliches Kuttermodell.

Der gesamte Bau wurde auf der Vereins-Homepage MSK-ST-PETER.DE mit immer wieder aktualisierten Fotos dokumentiert. Diese wurden fast alle von meinen Freund Rüdiger Lindner mit seiner Digitalkamera gemacht, wobei ich erwähnen muss, dass er ein Profi ist. Er verstand es immer wieder, meine „ NORDSTERN" ins „rechte Licht" zu setzen. Ihm sei an dieser Stelle noch ein recht herzliches Dankeschön gesagt.

Das war die Vorgeschichte, kommen wir jetzt zum eigentlichen Bau.

Ich hatte vor, das gesamte Schiff in Holz zu bauen, die Beschläge natürlich in Messing oder anderen Materialien.

Der Kiel und die Spanten wurden aus 12 mm starkem, wasserfest verleimten Sperrholz gefertigt. Dann fragte ich einen Freund, der eine Tischlerei hat, ob er mir aus Weißbuche die entsprechenden Leisten zum Beplanken herstellen würde. Er sägte mir 90 Leisten in den Maen 1500x10x2mm zu, sagte anschließend aber „NIE WIEDER !". Komisch, das verstand ich überhaupt nicht....

Nun ja, ich begann dann, das Spantgerüst zu beplanken. Es sollte sich herausstellen, dass die Verwirklichung des Kanuhecks eine ziemliche Filigranarbeit werden würde. Ich hatte nämlich den Ergeiz, wirklich bis zum Ende zu beplanken ( trotz der extremen Biegungen und Verwindungen am Heck ) und diesen Bereich nicht nur mit einem Holzklotz zu füllen. Das gelang nur mit Vorwässern und Vorbiegen sowie jeder Menge Geduld, die Leisten so zu befestigen, dass während der Trocknungsphase und der dabei auftretenden Spannung die Leisten nicht wieder absprangen. Dieser Vorgang dürfte ausreichend bekannt unter Modellbauern sein, die bei solchen Modellen noch auf die traditionelle Bauweise Wert legen.

Was danach kam, war schweißtreibende Arbeit: Schleifen und Spachteln bis zum Abwinken.

Als der Rumpf dann fertig verschliffen war, wurde er von innen mit Epoxydharz eingestrichen und außen mit Harz und zwei Lagen Glasgewebe verstärkt. Das erscheint auch nötig, wenn man in Betracht zieht, welche Belastung der Rumpf wegen des späteren Gewichts des ganzen Modells aushalten muss.

Vorweg gesagt: Ich werde nie wieder ein Modell bauen, welches wie dieses knapp 60 kg auf die Waage bringt. Ich hatte nicht bedacht, dass man so ein Modell wegen seiner Masten, Bäume und Netze alleine nicht mehr aus dem Keller und in sein Element bekommt, dafür ist es einfach zu unhandlich. Nachdem der Rumpf mit Scheuerleisten, Schlingerkielen usw., versehen und verschliffen war, wurde er grundiert und gestrichen. Gestrichen deshalb, weil ich den optischen Eindruck für realistischer halte als bei einem gespritzten Modell.

Wer hat schon mal einen Kutter gesehen, der wie geleckt aussah ? Ich jedenfalls nicht.

Dann folgte eine wochenlange Motivsuche in fast allen Nordseeorten, in dem Krabbenkutter beheimatet sind. Denn wenn schon Eigenbau, dann sollte er auch so aussehen, als ob es ein entsprechendes Original geben könnte.

Nachdem ausreichend Fotomaterial vorhanden war, kam die tolle Zeit, aus Messing und anderen Materialien die Beschläge, Aufbauten und das Deck herzustellen. Fr das Deck schnitt ich Planken aus Teakholz in 240x14x1mm. Die wurden dann auf das Deck aus Flugzeugsperrholz geleimt. Als Imitation der Kalfaternähte klebte ich mit Sekundenkleber neben jeder Planke ein Stück schwarze Elektrokabellitze ( 1mm Durchmesser ). Selbstverständlich wurden die Teakholzplanken vorher verschliffen. Diese Art der Beplankung wurde in der Folgezeit auch gerne von meinen Vereinskollegen übernommen. Es sieht einfach echter aus als wenn man nur schwarze Leisten zwischen den einzelnen Planken leimt.

Nach dem Ende dieses Bauabschnittes wurde das Schanzkleid innen mit Buchenleisten beplankt und anschließend das gesamte Deck und der komplette Rumpf mit 2-K-Parkett Versiegelungslack ( matt ) gestrichen. Das Ergebnis war einfach gut. Danach ging es an die Aufbauten, welche auch aus Teak- und Mahagonileisten hergestellt wurden. Auch hier bildet wieder Flugzeugsperrholz ( 1mm ) die Basis, auf der die Leisten der Sichtbeplankung in Nut-und-Feder-Technik aufgesetzt sind.

Nordstern-03.jpg (43458 Byte) Nordstern-01.jpg (30694 Byte)  Nordstern-10.jpg (27494 Byte) Nordstern-12.jpg (28449 Byte) p1010108.jpg (25550 Byte) Inneneinrichtung     Nordstern-13.jpg (59953 Byte) Nordstern-14.jpg (61190 Byte) Nordstern-15.jpg (35958 Byte) Nordstern-16.jpg (34616 Byte) Die Winde
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Steuerhaus

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Kajte

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Die erste Probefahrt!

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Waschanlage und Rüttelsieb

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Innen im Aufbau und Ruderhaus wurden noch die Kabel für die bliche Beleuchtung verlegt. Dazu kam dann der typische Bollerofen mit Kupferkessel, Armaturen und das Steuerrad aus Holz und die Speichen und Nabe aus Messing. Die Armaturen sind natürlich auch verschiedenfarbig beleuchtet, dann kam noch ein Kartentisch, Schrank und ein Drehstuhl für den Kapitän. Das Ruderhaus verfügt noch über funktionierende Schiebetüren.

Was dann folgte waren Details wie Krabbenkocher, Kühlbleche, Wasserhähne usw. und nicht zu vergessen der Fangtrichter mit Laufband, Waschanlage und Rüttelsieb. Die Fangnetze hat meine Frau in mühevoller Näharbeit aus Fliegengitter in Stoffausführung genäht. Die Messingteile der Netzwinde hat ein Bekannter nach meinen Angaben auf einer Drehbank erstellt, da ich in dieser Hinsicht keine große Fertigungserfahrung habe. Die Winde ist natürlich voll funktionsfähig, ebenso die Ankerwinde aus Messing und Aluminium. Ebenso ein Unikat, was man halt nicht kaufen kann.

Als letztes wurden die Opferanoden aus Bleistückchen hergestellt sowie das Ruderblatt aus mehreren Teilen Messing und mit Sechskantschrauben. Danach dauerte es noch einige Tage, bis vom Feilen der Anoden, meine Fingernägel wieder nachgewachsen waren. Eigentlich sollten diese nicht mitgefeilt werden.

Die Masten sind aus Buche konisch zulaufend gedrechselt worden, dann in der Mitte geschlitzt worden für die Kabel der einzelnen Lampen. Sie wurden später mit Epoxydharz verschlossen. Die Bäume und Kurrebäume für die Netze bestehen aus Messingrohr verschiedener Stärken. Das stehende Gut ist aus feinen mehrfach gebündelten Stahllitzen und das laufende Gut aus geflochtenem Nylon, welches ich von meinen Vereinskollegen Ralph Reinhold „abgestaubt" habe. Danke dir nochmals Ralph, denn dieses Material sieht fast aus, als wenn es auch aus Stahllitzen wäre. Der Propeller ist aus dem Hause Wissala. Solch ein Stück kostet gut und gerne 160.- EUR . Aber er ist mit keinem herkömmlichen zu vergleichen !!

Erwähnen möchte ich noch, dass außer den belüfteten Blöcken, den Glühbirnen, Motor und der Propeller, alles von Hand hergestellt worden, da es für Modelle diesen Maßstabs fast kein Zubehör zu kaufen gibt. Jedenfalls nicht für meinen Kutter. Zu guter Letzt kam noch ein bisschen Leben auf Deck, denn nichts ist schlimmer, als wenn man „SAUBERE" Geisterschiffe auf den See fahren sieht. Es kamen Möwen, Matrose und Steuermann Bordhund ( die Sachen wurden auch fertig erworben ) an Bord, mit Werkzeugkisten und Fangkörben.

Apropos Leben an Bord: Das Modell hat natürlich einen Geräuschgenerator an Bord, ABER was für einen! Dieser stammt aus der Fertigung meines Vereinskollegen Jürgen Burger .

Es ist ein geschwindigkeitsabhängiger 2-Zylinder-Sound, der im Stand so langsam läuft, dass man meint, die Kolben schleifen zu hören. Dieser Sound wird aber nicht auf der herkömmlichen elektronischen Basis erzeugt, sondern wurde digital aus der Aufzeichnung eines Original-Geräusches gewonnen. Hierzu wird das Originalgeräusch am Auspuff, nicht im Maschinenraum, wie irrtümlich meist angenommen wird, auf einer hochwertigen Tonbandmaschine aufgenommen, digitalisiert, von Fremdgeräuschen befreit und dann auf einen Eprom gebrannt. Die Einzelheiten möchte ich euch ersparen, es ist jedenfalls ein höllischer Aufwand, diese Qualität hinzubekommen.

Jedenfalls kann ich jetzt voller Stolz am Teich das „Ding" einschalten und die Kollegen und Zuschauer beobachten, wie die OHREN AUGEN kriegen. Manche denken dann wirklich, sie stehen im Büsumer Hafen, bis sie merken, dass das Geräusch aus meiner NORDSTERN kommt.

Als dann nach schier endloser Zeit endlich der Tag des Stapellaufs kam, wuchs natürlich die Spannung auf das Ergebnis dieser mühevollen Bauzeit. Nachdem wir mit zwei Leutchen die 59,8 kg ! ins Wasser setzten, ohne selbst mit Baden zu gehen, erwiesen sich alle Zweifel als unbegründet. Der Kutter lag schwer im Wasser und selbst die vorbeiflitzenden Rennboote mit ihren „Überwasser Wellen" ließen den Kutter noch nicht mal wackeln. Der Kutter erzeugt das Original Wellenbild eines Krabbenkutters und selbst bei Kurvenfahrt neigt er sich so gut wie nicht sichtbar. Davon konnte sich auch mein Freund Ralph R. überzeugen, als ich mit dem Kutter im Auto zum „CLUB" fuhr. Das Schiff ist vollkommen trocken. Nicht ein Tröpfchen kommt durch die mehrfach Kugelgelagerte Welle oder vom Deck ins innere.

Wenn ich auf „Fangfahrt" gehe ist es schon toll anzuschauen, wenn die Bäume gefiert und die Kurrebäume mit den Netzen ins dunkle Wasser eintauchen. Mit ausgebreiteten Bäumen und Kurrebäumen ergibt sich immerhin die imposante Breite von 205 cm ! Auf der Jungfernfahrt erschalte übrigens lautes Lachen, als ich die Netze einholte. Es befand sich doch tatsächlich ein kleineres Rotauge im Steuerbordnetz. Es wurde natürlich vorsichtig aus dem Netz geholt und wieder seinem Element übergeben. Ich fahre ja einen Krabbenkutter und keinen Fischkutter....

Alles in allem habe ich 3 Jahre und ca. 2600 Stunden, sowie viel Taschengeld investiert. Aber es hat sich mehr als gelohnt.

Eins steht fest, die nächsten zwei Schiffe werden auch bald fertig sein. Es handelt sich diesmal um den holländischen Bergungsschlepper „ SMIT LONDON" in dem Maßstab 1:50 und ebenfalls einen holländischen Tonnenleger „VLIESTROM" in dem Maßstab 1:20. Der letztere ist allerdings ein Baukasten von höchster Qualität. Der hat mich auch Überredungskünste an meinen „Finanzminister" gekostet. Doch nach einem dicken Schmatzer und Dackelaugen, wurde er dann genehmigt.

Also, ich weiß, dass ich den Baubericht der Nordstern stark eingekürzt und auf das wesendliche beschränkt habe. Ich gehre nicht zu den Autoren, die eine DIN A4 Seite benötigen, um zu erklären, wie sie eine Planke ans Spanngerüst anleimen. Trotzdem hoffe ich, bei einigen die Freude zum eigenen Bauen gesteigert zu haben. Denn es gibt doch nichts schöneres, als mit Herz, Hirn und Hand etwas herzustellen, was nicht jeder kaufen kann.

Falls noch Fragen sind, kann man sich an mich wenden.

Meine e-Mail Adresse ist hauke.behn@gmx.de

Einen schönen Gruß aus Hamburg.

 

Hauke Behn

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