SVITZER JARL
Eines Tages beim
Durchblättern des
Harhaus-Katalogs fiel mein Blick auf den dort abgebildeten ANKER-Plan des
dänischen
Seeschleppers SVITZER GARN, Schwesterschiff SVITZER
JARL. Das Schiff gefiel mir nach der dort abgebildeten Planzeichnung sofort und ich
wusste, den musst du haben. Der Plan war schnell bestellt und kam auch rasch. Mit
großen
Erwartungen öffnete ich die Post und war von dem mageren Plan enttäuscht. Ok!
Spantenriss und Generalplan reichen zum Bau eines Modells. Es gibt schlimmeres. Doch so
einfach wollte ich es mir nicht machen. Es folgten Telefonate, Briefe und Dank der
Mithilfe eines Bekannten erhielt ich als Resultat der ganzen Mühe einen Generalplan des
Schleppers SVITZER JARL im Maßstab weiß der Teufel auf ein DIN A4 Blatt und einen
Prospekt der Reederei, worauf der Schlepper SVITZER GARN in Farbe abgebildet war. Das war
doch etwas! Doch was jetzt bauen? SVITZER GARN oder SVITZER JARL? Mit Lupe wurde dann Bild
für Bild in diesem Prospekt untersucht. Wie es so oft ist, sind Schwesterschiffe des
baugleichen Typs nicht identisch. Der kleine Unterschied liegt oftmals im Detail. Im
Vergleich mit dem ANKER-Plan und dem Plan der Reederei konnten dann die Unterschiede
gefunden werden. Da waren z. B. die Niedergänge vom Brückendeck zum Hauptdeck ganz wo
anders, das Schleppdeck war etwas anders, der eine hatte Bullaugen, der andere Fenster
usw. Der ANKER-Plan deckte sich ziemlich mit der farbigen Abbildung des Schleppers SVITZER
GARN. Nach langem hin und her entschloss ich mich für die SVITZER JARL. Der
Maßstab
wurde für das Modell auf 1:50 festgelegt. Eigentlich kein Problem, aber wenn man immer
nur seine Modelle im Maßstab 1:100 gebaut hat, kommt man oft ins grübeln: Was, so
groß wird das? Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran. Der mit einem
Eisbrechersteven, mit zwei feststehenden Kortdüsen und ein Bugstrahler versehene Rumpf
versprach ein wendiges Modell.
Fr den Rumpfbau kam der ANKER-Plan
im Maßstab 1:100 zur Verwendung. Die Spanten wurden auf den Maßstab 1:50
vergrößert.
Es folgte die blichen Arbeiten wie das Aufstellen des Spantengerüstes, das Beplanken,
das Einarbeiten der zwei Decksebenen, das Laminieren mit GFK und
anschließend das
Schleifen. Zur Beplankung wurden 6 mm Abachi-Holzleisten verwendet. Der geschliffene Rumpf
wurde dann mit einem Nitro-Füller aus der Kfz-Lackiererei überzogen , nass geschliffen
und anschließend lackiert. (Der 1-Komponeten-Nitro-Fller war ein Restbestand in unserem
Bastelkeller und ist heute nicht mehr erhältlich.)
Die
Ruderblätter wurden aus Flachalu
gefeilt und die Kortdüsen wurden aus Messingbuchsen bzw. Bronzebuchsen gedreht. Das war
bis hier hin noch recht einfach. Jetzt am Aufbau wurde es schwieriger, denn der Aufbau hat
vorne zur Back eine leichte Rundung und geht gleichzeitig etwas schräg nach hinten. Zur
besseren Stabilität musste das 1 mm starke Sperrholz an den Ecken und Winkel mit
Kiefernleisten verstärkt werden. Auch wurde am Aufbau ABS und Poylstyrol als Material
eingesetzt. Fensterrahmen wurden z.B. aus Polystyrolstreifen hergestellt. Die
Brücke
selbst besteht nur aus Ecken und Winkel. Die Auspuffanlage wurde ganz aus Polystyrol
hergestellt. Die Lüfterlamellen auf der Rückseite der Auspuffanlage wurden
übrigens aus
Gartenzäunen von der Modelleisenbahn H0 hergestellt. Bei der Modelleisenbahn gab es oder
gibt es vielleicht noch Bausätze für Garten- oder Parkeinzäunungen. Hier muss man in
die Bausätze schauen, ob die richtigen Zäune, die sich für Lamellen eignen dabei sind.
Natürlich ist da dann auch viel nicht verwertbares in so einem Bausatz, das man als
Schiffsmodellbauer mitkauft. Der Nachbau des Aufbaus war nicht ganz einfach und es war
selbst in diesem Maßstab eine filigrane Arbeit. Der Grundaufbau der Brücke konnte nach
dem ANKER-Plan gebaut werden. Doch es hie aufpassen, denn bei Türen, Fenster und
Niedergänge musste nach dem Generalplan der Reederei gebaut werden, denn
schließlich
sollte es ja die SVITZER JARL werden.
Richtig
Spaß, aber auch viel Arbeit,
machten die vielen Kleinteile wie Ankerwinde, Schlepperwinde, Bootsdavit usw. Hierbei kam
als Grundmaterial hauptsächlich Polystyrol zur Verwendung. Auch das Bauen der Reling
stellte die Geduld auf die Probe. Als Stützen kamen Flachstützen in 0,5er
Starke von
der Fa. Simprop zur Verwendung. Die Stützen besaß ein Vereinskollege, der sich einmal
eine große Stückzahl als Sonderanfertigung bei der Fa. Simprop anfertigen
ließ. Das
Arbeitsboot wurde aus einem Styrodur-Klotz gefeilt. Anschließend wurde das Boot
laminiert, sauber verschliffen und anschließend das Styrodur mit
Nitroverdünnung
herausgewaschen . Aus Polystyrol wurden die restlichen Teile zur
Vervollständigung des
Bootes hergestellt.
Als Antrieb kamen zwei kleine
Boschmotore 27 Watt zur Verwendung, die direkt auf zwei Wiessalapropeller wirken. So
fieberte ich der ersten Wasserprobe in der Badewanne entgegen. Gleich beim Einsetzen des
Modells war ich über die hohe Zuladung überrascht. Wie schon erwähnt baute ich bislang
nur Modelle im Maßstab 1:100. Hier musste man vorsichtig mit dem Gewicht umgehen,
insbesondere am Aufbau. Schnell kann so ein Modell kopflastig werden. Meine Sorgen wegen
des vielen Messings am Aufbau wie z. B. Reling, Antennen, Feuerlöschmonitore usw. waren
glücklicherweise unbegründet. Die Motoren hatten fast schon zu viel Power und so setzte
ich das Badezimmer unter Wasser. Nach Zuladung von Gewicht konnte die erste
große Fahrt
am Vereinsgewässer durchgeführt werden. Hier zeigten sich die Motoren
gemäßigt und der
Schlepper hatte ein schönes Wellenbild. Doch am meisten Spaß bereitete das Fahren mit
dem Schlepper in unserem Hafen.
Sonderfunktionen hat das Modell keine.
Das wäre in der Größe zwar machbar gewesen, ist aber auch eine Frage des Geldbeutels.
So gehre ich noch zu den Modellbauern, die am Bau eines Modells die größte Freude
haben und glücklich sind, wenn sie dann ein seltenes Modell auf dem Wasser haben.
Der Artikel wurde von mir in der SchiffsModell
4/98 veröffentlicht.
Die 11.000 ihp
starken Schlepper SVITZER JARL und GARM haben einen Pfahlzug von 105 Tonnen und sind vom
Typ Ankerziehschlepper. Sie wurden 1977/78 gebaut. SVITZER JARL war mit
Löschmonitore ausgerüstet. Die Schlepper wurden später von der Reederei verkauft. SVITZER JARL erhielt
gegen 1989 den Namen RED HARRIER, Care Offshore, Jam. und SVITZER GARM 1990 den Namen
LANCILOTTO, Rim.Sardi, Ita.