by  Ralph Reinhold

Seeschlepper / Ankerziehschlepper  SVITZER JARL Scale 1:50

Vorwort 

Das Modell des Schleppers SVITZER JARL ist ein Gemeinschaftsprojekt von drei verschiedenen Modellwerften (Modellbauern). Dass wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn alle nach dem gleichen Plan gebaut hätten. Das Planproblem blieb aber das große Geheimnis des Eigentümers. So kam es natürlich, dass einiges nicht stimmte. Ich hatte das Glück oder ich durfte alles irgendwie passend zusammen zu bauen. Je mehr passend gemacht werden sollte, um so mehr taten sich gleich wieder neue Probleme auf. Ein typisches Beispiel dafür war die Auspuffanlage. Aufbau und Deck wurden von einer anderen Werft gebaut und die Auspuffanlage wiederum von einer anderen. Es passte absolut nichts zusammen. Außerdem hatten die Auspuffanlage und  der Aufbau auch noch Fehler. Es war ein langer und mühseliger Weg, der zum Schluss doch noch ans Ziel führte. Den Artikel hatte ich später für den Eigner und aus seiner Sicht geschrieben, damit er seine knappe Modellbaukasse etwas aufbessern konnte. Der Modellbaukollege ist leider nicht mehr Mitglied in unserem Verein und da kein Kontakt besteht, kann ich über den Verbleib des Schleppers keine Auskunft geben.  

 

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SVITZER JARL

 

Eines Tages beim Durchblättern des Harhaus-Katalogs fiel mein Blick auf den dort abgebildeten ANKER-Plan des dänischen Seeschleppers SVITZER GARN, Schwesterschiff  SVITZER JARL. Das Schiff gefiel mir nach der dort abgebildeten Planzeichnung sofort und ich wusste, den musst du haben. Der Plan war schnell bestellt und kam auch rasch. Mit großen Erwartungen öffnete ich die Post und war von dem mageren Plan enttäuscht. Ok! Spantenriss und Generalplan reichen zum Bau eines Modells. Es gibt schlimmeres. Doch so einfach wollte ich es mir nicht machen. Es folgten Telefonate, Briefe und Dank der Mithilfe eines Bekannten erhielt ich als Resultat der ganzen Mühe einen Generalplan des Schleppers SVITZER JARL im Maßstab weiß der Teufel auf ein DIN A4 Blatt und einen Prospekt der Reederei, worauf der Schlepper SVITZER GARN in Farbe abgebildet war. Das war doch etwas! Doch was jetzt bauen? SVITZER GARN oder SVITZER JARL? Mit Lupe wurde dann Bild für Bild in diesem Prospekt untersucht. Wie es so oft ist, sind Schwesterschiffe des baugleichen Typs nicht identisch. Der kleine Unterschied liegt oftmals im Detail. Im Vergleich mit dem ANKER-Plan und dem Plan der Reederei konnten dann die Unterschiede gefunden werden. Da waren z. B. die Niedergänge vom Brückendeck zum Hauptdeck ganz wo anders, das Schleppdeck war etwas anders, der eine hatte Bullaugen, der andere Fenster usw. Der ANKER-Plan deckte sich ziemlich mit der farbigen Abbildung des Schleppers SVITZER GARN. Nach langem hin und her entschloss ich mich für die SVITZER JARL. Der Maßstab wurde für das Modell auf 1:50 festgelegt. Eigentlich kein Problem, aber wenn man immer nur seine Modelle im Maßstab 1:100 gebaut hat, kommt man oft ins grübeln: „Was, so groß wird das?“ Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran. Der mit einem Eisbrechersteven, mit zwei feststehenden Kortdüsen und ein Bugstrahler versehene Rumpf versprach ein wendiges Modell.

Fr den Rumpfbau kam der ANKER-Plan im Maßstab 1:100 zur Verwendung. Die Spanten wurden auf den Maßstab 1:50 vergrößert. Es folgte die blichen Arbeiten wie das Aufstellen des Spantengerüstes, das Beplanken, das Einarbeiten der zwei Decksebenen, das Laminieren mit GFK und anschließend das Schleifen. Zur Beplankung wurden 6 mm Abachi-Holzleisten verwendet. Der geschliffene Rumpf wurde dann mit einem Nitro-Füller aus der Kfz-Lackiererei überzogen , nass geschliffen und anschließend lackiert. (Der 1-Komponeten-Nitro-Fller war ein Restbestand in unserem Bastelkeller und ist heute nicht mehr erhältlich.)

Die Ruderblätter wurden aus Flachalu gefeilt und die Kortdüsen wurden aus Messingbuchsen bzw. Bronzebuchsen gedreht. Das war bis hier hin noch recht einfach. Jetzt am Aufbau wurde es schwieriger, denn der Aufbau hat vorne zur Back eine leichte Rundung und geht gleichzeitig etwas schräg nach hinten. Zur besseren Stabilität musste das 1 mm starke Sperrholz an den Ecken und Winkel mit Kiefernleisten verstärkt werden. Auch wurde am Aufbau ABS und Poylstyrol als Material eingesetzt. Fensterrahmen wurden z.B. aus Polystyrolstreifen hergestellt. Die Brücke selbst besteht nur aus Ecken und Winkel. Die Auspuffanlage wurde ganz aus Polystyrol hergestellt. Die Lüfterlamellen auf der Rückseite der Auspuffanlage wurden übrigens aus Gartenzäunen von der Modelleisenbahn H0 hergestellt. Bei der Modelleisenbahn gab es oder gibt es vielleicht noch Bausätze für Garten- oder Parkeinzäunungen. Hier muss man in die Bausätze schauen, ob die richtigen Zäune, die sich für Lamellen eignen dabei sind. Natürlich ist da dann auch viel nicht verwertbares in so einem Bausatz, das man als Schiffsmodellbauer mitkauft. Der Nachbau des Aufbaus war nicht ganz einfach und es war selbst in diesem Maßstab eine filigrane Arbeit. Der Grundaufbau der Brücke konnte nach dem ANKER-Plan gebaut werden. Doch es hie aufpassen, denn bei Türen, Fenster und Niedergänge musste nach dem Generalplan der Reederei gebaut werden, denn schließlich sollte es ja die SVITZER JARL werden.  

Richtig Spaß, aber auch viel Arbeit, machten die vielen Kleinteile wie Ankerwinde, Schlepperwinde, Bootsdavit usw. Hierbei kam als Grundmaterial hauptsächlich Polystyrol zur Verwendung. Auch das Bauen der Reling stellte die Geduld auf die Probe. Als Stützen kamen Flachstützen in 0,5er Starke von der Fa. Simprop zur Verwendung. Die Stützen besaß ein Vereinskollege, der sich einmal eine große Stückzahl als Sonderanfertigung bei der Fa. Simprop anfertigen ließ. Das Arbeitsboot wurde aus einem Styrodur-Klotz gefeilt. Anschließend wurde das Boot laminiert, sauber verschliffen und anschließend das Styrodur mit Nitroverdünnung herausgewaschen . Aus Polystyrol wurden die restlichen Teile zur Vervollständigung des Bootes hergestellt.

Als Antrieb kamen zwei kleine Boschmotore 27 Watt zur Verwendung, die direkt auf zwei Wiessalapropeller wirken. So fieberte ich der ersten Wasserprobe in der Badewanne entgegen. Gleich beim Einsetzen des Modells war ich über die hohe Zuladung überrascht. Wie schon erwähnt baute ich bislang nur Modelle im Maßstab 1:100. Hier musste man vorsichtig mit dem Gewicht umgehen, insbesondere am Aufbau. Schnell kann so ein Modell kopflastig werden. Meine Sorgen wegen des vielen Messings am Aufbau wie z. B. Reling, Antennen, Feuerlöschmonitore usw. waren glücklicherweise unbegründet. Die Motoren hatten fast schon zu viel Power und so setzte ich das Badezimmer unter Wasser. Nach Zuladung von Gewicht konnte die erste große Fahrt am Vereinsgewässer durchgeführt werden. Hier zeigten sich die Motoren gemäßigt und der Schlepper hatte ein schönes Wellenbild. Doch am meisten Spaß bereitete das Fahren mit dem Schlepper in unserem Hafen.

Sonderfunktionen hat das Modell keine. Das wäre in der Größe zwar machbar gewesen, ist aber auch eine Frage des Geldbeutels. So gehre ich noch zu den Modellbauern, die am Bau eines Modells die größte Freude haben und glücklich sind, wenn sie dann ein seltenes Modell auf dem Wasser haben.

Der Artikel wurde von mir in der SchiffsModell 4/98 veröffentlicht.

Die 11.000 ihp starken Schlepper SVITZER JARL und GARM haben einen Pfahlzug von 105 Tonnen und sind vom Typ Ankerziehschlepper. Sie wurden 1977/78 gebaut. SVITZER JARL war mit Löschmonitore ausgerüstet. Die Schlepper wurden später von der Reederei verkauft. SVITZER JARL erhielt gegen 1989 den Namen RED HARRIER, Care Offshore, Jam. und SVITZER GARM 1990 den Namen LANCILOTTO, Rim.Sardi, Ita.   

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